Die vier Rabbiner

Eines Nachts wurden vier Rabbiner von einem Engel besucht, der sie aufweckte und auf seinen Schwingen in die Siebente Kammer des Siebenten Himmels trug. Dort erblickten die vier das Heilige Rad von Hesekiel mit eigenen Augen.

Auf dem Rückweg zur Erde jedoch verlor der erste Rabbiner seinen Verstand, denn sein Geist war dermaßen von dem göttlichen Glanz geblendet worden, dass er fortan nur noch brabbelnd durch die Lande irrte.

Der zweite Rabbiner zeigte sich unbeeindruckt und verleugnete ganz einfach, was er im Siebenten Himmel gesehen hatte. Er winkte nur ab und sagte: „Ach was, das haben wir bloß geträumt!“

Der dritte Rabbiner wurde fanatisch. Er hielt überall Vorträge über Sinn und Bedeutung und Bedeutung seines Erlebnisses und stritt sich mit anderen Gelehrten.

Aber der vierte Rabbiner wurde zum Dichter. Er setzte sich ans Fenster seiner Kammer und verfasste ein Danklied nach dem anderen über die Tauben im Kirschbaum, die kleine Tochter in der Wiege und alle Sterne in der Nacht. Er als einziger konnte sein Glück ertragen.

(aus Die Wolfsfrau )

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