Der Name

„Name ist Schall und Rauch“ wird so schnell gesagt. Von wegen Pustekuchen

Auf der Mitgliederversammlung in F. bat ich ausdrücklich darum, mit ganzem Namen angesprochen zu werden. Mit dem größten Erstaunen lese ich auf den Adressenlisten die Verkürzung meines Namens.
Können Sie mir bitte sagen, wie es dazu gekommen ist. Ich sehe dies als eine eigenmächtige Nivellierung  meines Namens an.  Ich schreibe doch auch nicht an Herrn üller* Frau eier* und Herrn  chmitz*. Mittlerweile haben Sie Herr chmitz* mir erklärt, dass dies eine Überlegung der Rationalität gewesen sei. Ich mach in diesem Zusammenhang darauf aufmerksam, dass der Mensch kein rationales Wesen ist, sondern ein höchst irrationales. Den Menschen auf irgendeine wie auf immer geartete Ratio zusammen zu schrumpfen, erzeugt automatisch Wut und damit Gewalt. Je nach Temperament entweder nach innen in die Depression oder nach außen in die Aggression.

Ich mache Sie darauf aufmerksam, dass die Mitglieder des deutschen Reichstages nach 1918, die sich bestimmt viele Gedanken gemacht haben, warum sie es nicht wie die Österreicher gemacht haben und auf die öffentliche  Kenntlichmachung, der ehemaligen Titel einer untergegangenen Gesellschaftsschicht, verzichtet haben. Mir sind zwei logisch einleuchtende Argumente aus dieser Zeit berichtet worden.
Einmal haben die konservativen Junker  darauf bestanden ihr „von“ behalten zu wollen und damit versucht wohl etwas Besonderes zu bleiben.  Soweit so gut. „Jedem Tierchen sein Pläsierchen.“ Zum anderen haben die Sozialisten darauf bestanden, „Die Schweinehunde wollen wir immer wieder erkennen.“ Soweit so schlecht.

Wenn  auch  der Hass, die Wut und die Verbitterung nach dem verlorenen Krieg, über die damals herrschende Schicht den Adel verständlich ist und war. So bleibt ein Bestehen auf dem Hass und dem Gedanken der Rache eine miserable Grundlage für den Aufbau einer neuen und damit friedlichen Gesellschaft.  So bin ich in einer Atmosphäre aufgewachsen, in der mir vermittelt wurde, die Menschen seien schlecht. Gleichzeitig wurden vor allen Dingen, wir Mädchen daran gehindert, im Ort Spielkameraden zu finden. Mein Leben lang habe ich gegen dieses Vorurteil oder besser gegen diese Aburteilung angekämpft.
Ich weiß, dass ich mit der Nennung meines Namens schlafende Hunde wecke. Dies scheint mir  auch dringend notwendig. Entweder will sich jemand damit brüsten mit mir bekannt zu sein oder der Name wird stillschweigend ignoriert. Ich habe nur einmal, aber dafür um so beeindruckender in der hassenden und rächenden Ehrlichkeit hier von der Frauenbeauftragten gehört: „Ich möchte sie nicht verletzen, aber mit ganzem Namen spreche ich sie nicht an, weil meine Vorfahren Leibeigene waren. Einen Doktor oder Professor spreche ich mit seinem Titel an, der hat ja auch etwas geleistet.“ Ich war sprachlos über diese verdrehte Logik, die in dem Moment jede Zusammenarbeit unmöglich machte. Mit dieser Form von dummer Überheblichkeit habe ich immer wieder zu kämpfen gehabt.
Weder mit Eitelkeit noch mit unterschwelligem Hass und Abwertung kommen wir einen Schritt weiter zur Gerechtigkeit in unserer Gesellschaft.


Die Würde des Menschen  ist unantastbar behauptet Artikel 1 unseres Grundgesetzes. Tatsache ist nur das die Würde des  Menschen seit Adam und Eva schon angegriffen wurde mit dem Gebot:  „Du darfst nicht erkennen.“  Dies ist ein Angriff auf die Fähigkeit des Menschen ein geistiges Wesen zu sein und zu staunenden Erkenntnissen von Zusammenhängen nicht nur fähig sondern auch berufen ist.
Dem gegenüber steht der Zeitgeist der den Menschen  dreiteilt. In Körper, Geist und Seele bzw. der Geist oder die Seele wird als irrelevant ausgeklammert. Auch das Modell von Kant Gefühl, Verstand Vernunft, wird in der Regel bei gebildeten Menschen auf Verstand und Vernunft reduziert. Die Gefühle bleiben außen vor und werden abgeschoben.
Die Würde des Menschen ist deswegen unantastbar, weil Gott den Menschen nach seinem Ebenbild geschaffen hat und Gott Mensch wurde. Wenn wir nicht verrückt werden wollen, ist es eine große Hilfe sich an Jesus Christus festzuhalten und sich mit ihm zu identifizieren. Als Christ habe ich nur die Aufgabe, den Nächsten wie mich selbst zu lieben. Dies setzt voraus, dass wir erst einmal lernen uns selber zu lieben bzw. uns von dem Leben, wie es sich uns bietet lieben lassen. Hass, Rache und Groll stehen gegen die Wahrnehmung von Liebe.

Ich betone damit das Recht eines jeden Menschen auf seine Einzigartigkeit und sein Anderssein bei gleichzeitiger Erkenntnis, dass er mit allen anderen Menschen die gleichen Grundbedürfnisse hat. Ich lehne damit jede aber auch jede Form von Gleichmacherei ab. Ich weiß nicht was schlimmer ist, die Einbildung eines Menschen etwas besonderes zu sein oder die Einbildung nichts besonderes zu sein. Die Antwort liegt für mich in der Mitte. Jeder Mensch möchte geliebt werden und lieben dürfen. Dies ist das Grundrecht eines jeden Menschen. Bevor aber das große Wort von der Liebe ausgesprochen werden darf, ist es dringend notwendig erst einmal dem einzelnen Menschen gerecht zu werden. Dieses gerecht Werden des Menschen hat zur Voraussetzung, dass er sich erst einmal als ein besonderes Individuum wahrnimmt, welches seine guten Gründe hat, sich so zu verhalten, wie es sich gerade verhält, ob es mir nun gerade passt oder nicht.

*Namen wurden verändert

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7 Kommentare

Eingeordnet unter Deutschland, Emanzipation, Glaube, Politk, Wissenschaft

7 Antworten zu “Der Name

  1. pinkpanther

    Scheinbar nur eine kleinigkeit, aber m.E. doch ein Lichtblick – und hoffentlich nicht nur aus technischer Inkompetenz passiert, sondern beabsichtigt: Im einem großen Wiener Krankenhaus sind alle Ambulanzen mit großen Leuchttafeln und Nummernausgabegeräten ausgestattet. Auf den Tafeln steht für jedes Zimmer über der jeweiligen Nummernanzeige „Bitte vorbereiten“ und „Bitte eintreten“.
    Doch diese Tafeln sind ausgeschaltet; auch bei viel Andrang werden die Patienten mit ihrem Namen und persönlich vom Arzt oder Assistenten in das entsprechende Behandlungszimmer gerufen.

    „Gleichmacherei“ lehne ich auch ab, aber oft werden „Gleichmacherei“ und „Gleichbehandlung“ verwechselt. So kann man eben auch Frauen und Männer, Gesunde und Behinderte nicht gleich machen. Aber sehr wohl jedem/jeder von ihnen mit dem gleichen Respekt begegnen und dieselben – für alle gültigen – Grundregeln anwenden.

  2. OK, du willst das Ramayan?:

    Wenn du DAS packst, dann packst du auch den Rest:

    Das ist Hanuman, der Affengott!

    MFGCS
    (auf meiner Site gibt’s mehr!)

  3. rotegraefin

    Hallo pinkpanther,

    das ist keine Kleinigkeit, das ist eine sehr gute Nachricht.
    Es geht mir aber um den Abbau von Vorurteilen. Bei vielen Menschen habe ich einfach schnell gemerkt, dass es beim hören meines Namens meist um eine unangemessene Ab- oder Aufwertung ging.

    Hallo CrippLeD SaM

    ich habe auf Deine Seite geschaut. Sie ist leider Englisch und da verstehe ich kein Wort. Das Video ist einfach schön. Ich schau mir gerne die Bilder an und höre die Musik. Aus dem Hinduismus habe ich übernommen, das alles heilig ist.
    Nur wie verträgt sich das mit dem Kastenwesen? Weißt Du wie es entstanden ist und welche religiöse Begründung dafür gebraucht wird?

  4. PinkPanther

    Neugierig hast du mich jetzt aber schon gemacht; die Internetzugriffe auf diverse Seiten und Stammbäume von XXXX, YYYY, ZZZ, xxxx, u.a. müssen zumindest gestern und heute deutlich über dem Durchschnitt liegen 🙂
    Aber ich respektiere und schätze auch selbst die Möglichkeit, in Foren wie hier einigermaßen anonym zu bleiben.

  5. rotegraefin

    Neugier lohnt sich, nur habe ich schnell alles gelöscht, was einen Hinweis für andere liefern könnte. Ich hoffe Du verstehst das. Noch ist meine Zeit nicht reif. Ich habe bis jetzt immer nur lieber kleine Schritte gemacht.

  6. PinkPanther

    Ok, jedenfalls ist eine Info meiner Ideen bei Dir angekommen – ich weiß nicht, wie schnell Du die Namen neutralisiert hast, und ob jemand anderer inzwischen eine Chance hatte, sie zu lesen.
    Natürlich ist es ok, und Du kannst auch diesen Kommentar wieder löschen (wäre mir sogar recht; andererseits würde jede(r) X-Beliebige, der Deine Blogs liest und ein bisschen herumgoogelt und kombiniert auf dieselben Ideen kommen wie ich).
    Ich würde nur allzugerne wissen, ob ich auf einer richtigen Spur war 🙂
    Oder ist der Satz „Neugier lohnt sich“ schon die bestätigende Antwort?

    Bleib bei Deiner Vorgehensweise, ich habe das Gefühl, Du machst genau das Passende!

  7. Um hier unter den Kommentaren wieder zurück zum Zusammenhang zwischen dem Namen und der Würde zu kommen:Ich erinnere mich an eine frühere Therapeutin, die nach Reiki arbeitete, der ich mich anfangs mit einer verkürzten Form meines Vornamens vorgestellt hatte, so, wie ich damals auch von allen Freunden gerufen wurde. Als ich später meinen ganzen Vornamen erwähnte, war sie danach sehr sauer auf mich, weil sie durch die Kurzform nicht alle Teile meiner Persönlichkeit hätte erfassen können und sie nun fast neu beginnen müsse.

    Es gibt einen Zusammenhang zwischen dem (kompletten) Namen, Würde und Persönlichkeit!

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