An die Eminenzen Ratzinger und Meisner

DU SOLLST DIR KEIN GOTTESBILD MACHEN  UND KEINE DARSTELLUNG VON IRGEND ETWAS AM HIMMEL DROBEN, AUF DER ERDE UNTEN, IM WASSER UNTER DER ERDE. Ex 20, 4
Samstag, 4. Oktober 2003
Grüß Gott! Eure Eminenzen Kardinal Joseph Ratzinger und Kardinal Joachim Meisner,

mit größter Begeisterung und unendlicher Dankbarkeit, nach anfänglicher Sprachlosigkeit, begrüße ich Ihre Entscheidung radikal und mit unmissverständlicher Härte, die elende Weiblichkeit aus dem Altarraum zu entfernen. Im Grunde ist Ihre Entscheidung eigentlich noch zu liberal. Frauen sollten auch nicht mehr Kommunion austeilen und auch das Lektorenamt wieder niederlegen. Jawohl keine Frauen mehr im Chorraum und vor allen Dingen nichts was nur im entferntesten an eine Frau erinnert.
Ich muss wohl vom Klammerbeutel gepudert worden sein, als ich am 21. Nov. 02  weinend einen Priester der röm. Kath. Kirche aufsuchte, weil ich nicht mehr wusste, ob ich noch in der Kirche bleiben konnte. Nachdem ich ihm zwei Briefe von mir an seine Exzellenz Dr Reinhard Lettmann vorlegte, erklärte er mich, mit großer Autorität, für über griffig und mich selber unmöglich machend.
Also der heilige Paulus hat in diesem Punkt bestimmt auch hundertprozentig Recht, die Frau soll in der Kirche das Maul halten. Am besten machen wir es wie die drei Affen nichts hören, nichts sehen, nichts sagen. Wie gut, dann können wir uns endlich mal die Hände in Unschuld waschen. Wir dürfen ja nicht, Rom hat es ja verboten.
Es ist richtig so! Die Frauen zurück in die letzten Reihen, nein besser ganz aus der Kirche heraus. Die Frauen werden doch nur noch als lästiges Beiwerk zur Priesterproduktion benutzt. Dies dauert zum Glück nicht mehr lange. Das erste geklonte Baby wurde ja schon letztes Weihnachtsfest geboren. Danach kann der Mann ja alles alleine. Dann schlage ich für die Zukunft vor, dass nur noch männliche Retortenbabys den Altarraum betreten dürfen, denn die bisherigen Priester und Messdiener haben ja alle neun Monate in so etwas schändlichem wie einem weiblichen Körper verbracht.
Deswegen sollten Eure Eminenzen gar nicht erst versuchen unten stehenden Text zu verstehen, diesen habe ich noch in dem großen Irrtum geschrieben, die Kleriker dieser Kirche seien noch an deren Erhalt und Reform interessiert und der Heilige Geist hätte auch noch eine Wirkung.
Jesus Christus ist in meinen Augen nicht deswegen ein Mann gewesen, um das männliche Priestertum zu bezeugen, sondern um den Männern zu zeigen, hier wir Männer können auch leiden und bluten, macht es also mir nach, die Frauen können das schon von Natur aus, jeden Monat spontan, die brauchen nicht noch zusätzliches Leid. Deswegen hat er wohl auch am Kreuzweg gesagt, weint nicht um mich, weint um euch und eure Kinder.
Haben wir denn das Paradies verloren, weil Eva das bischen Apfel dem Adam gereicht hat? oder weil wir von dem Baum der Erkenntnis von Gut und Böse gegessen haben und damit meinen, wie Gott zu sein? Wer oder was ist denn dieser Baum? In der Symboldeutung steht der Baum meist für ein Phallussymbol, also für die Weitergabe des Lebens vom Mann an die Frau, und die Frucht ist dann das Kind. Von dieser Frucht kostet die Frau neun Monate lang und reicht sie dann dem Mann. Ist dies dann der Baum des Lebens? Haben wir nicht dadurch das Paradies verloren, weil der Mann dann diese Frucht als sein Eigentum genommen hat, über die er Macht ausübt? Ich weiß es nicht. Ich weiß nur, dass wir immer wieder durch sinnige oder unsinnige Gebote hindurch müssen und viele Götterbilder zerstören müssen, um zu der reinen und echten Anschauung des lebendigen Gottes zu kommen, der ja der immer da Seiende ist. Zerstört nicht immer wieder das Macht- und Besitzstreben alles paradiesische in uns und zwischen uns? Ist es nicht das, was Jesus uns immer wieder sagen wollte? War der Schächer am Kreuz nicht sofort mit im Paradies, als er bekannte, wir hängen hier zu Recht?
Pfingsten 2002 fiel mir wieder mein Firmunterricht von 1955 bei Bruno Schüller SJ ein.
“Die Liebe zwischen Gott Vater und Gott Sohn ist so groß, dass sie, die Liebe, eine eigene Person wird.” brachte er uns ganz engagiert bei.
Ich staunte noch mal ganz kindlich über dieses Gedankenkonstrukt. Boooh, die Liebe ist so groß, dass sie eine eigene Person wird.
Jetzt fast fünfzig Jahre später staune ich erneut, ich weiß natürlich nicht, ob ich alles so richtig in Erinnerung habe, welches Männergottesbild sich mit dieser Aussage bei mir verfestigt hat. Vor 25 Jahren nach einem starken Berufungserlebnis, solange hat es gebraucht, bis der Heilige Geist bei mir Fuß fassen konnte, habe ich einmal Dreiklänge gesammelt:
Gott Vater – Gott Sohn – Gott Heiliger Geist
stand ganz oben und war mir der fremdeste und auch unheimlichste Klang.
Gefühl, Verstand, Vernunft
Körper, Geist, Seele
Glaube, Hoffnung, Liebe
Vater, Mutter, Kind

Ich habe mir vermutlich unnötig Sorgen gemacht, über den Erhalt der Kirche und die Verwirklichung der Botschaft, die meine Großtante Maria Gräfin Droste zu Vischering an Leo den XIII. übermittelte, die Weihe der ganzen Welt an das Herz Jesu.
Da ich in der eigenen Familie gesehen habe, wie gut man sich gegenseitig das Leben zur Hölle machen kann, habe ich beschlossen: “Ich will in keinen Himmel kommen, von dem ich weiß, dass es eine Hölle gibt.” Also ganz logisch, bleibe ich am besten gleich in der Hölle. Da sich niemand so gut die Hölle schaffen kann, wie fromme und gute Leute, die nach einem Schuldigen suchen und die genau wissen, was Gut und Böse ist, bleibe ich also in der Kath. Kirche.
Mein Vater hat öfter  Romano Guardini zitiert, der gesagt haben soll, es käme darauf an, wie viele man mit in den Himmel brächte, nicht ob man viel gebetet habe . Eure Eminenzen strengen sich in meinen Augen zu sehr an, alle Frauen durch Eure intelligenten Verbote in den Himmel zu befördern. Ich wäre da an Eurer Stelle ein klein bisschen egoistischer. Ich möchte einen Platz dort haben, aber nur wenn ich dort die Scheinheiligen, zu denen Eure Eminenzen mit Sicherheit nicht gehören wollen, ärgern darf.
Die Kirche hat in meinen Augen schon zu lange von Ihren Sünden weggeschaut, deswegen ist sie auch unfähig aus ihren Fehlern zu lernen.
”Herr Jesus Christus schaue in Liebe auf unsere Sünden und auf unseren Glauben und schenke uns nach deinem Willen Einheit und Frieden”
Es wird Zeit, dass wir wieder lernen, dass wir von unseren Sünden erlöste Menschen sind, alle anderen Formen sind dagegen zweit- und drittrangig. Ausgenommen Ihre Eminenzen möchten dringend dem Fürsten dieser Welt dienen, anstatt dem lebendigen Gott, der in Jesus Christus allen Fluch auf sich genommen hat, indem er wie ein Verbrecher starb und als nichteheliches Kind wagte auf diese Welt zu kommen.
Mit christlichen Grüßen

Gottes enfant terrible

Advertisements

13 Kommentare

Eingeordnet unter Bibel, Christen, Deutschland, Emanzipation, Fundamentalismus, Glaube, Kommunikation, Wissenschaft

13 Antworten zu “An die Eminenzen Ratzinger und Meisner

  1. Willi Heuvens

    Ich denke, die Mitmenschen Ratzinger und Meisner werden zu ernst genommen, es sind mehr oder weniger Repräsentanten einer Kapitalgesellschaft, die mit sehr wenig Toleranz ausgestattet ist.
    Man möchte alte Bestände halten, mit allen Mitteln, auch wenn man damit die Menschlichkeit verletzt.
    Beispiel: Die Kirche qualifiziert noch bis heute die Frauen ab, sie dürfen keine Messen lesen, nicht zur Priesterin geweiht werden.
    Schaut man ins Mittelalter zurück, kommt man zum Ergebnis: die Kirche hat und hatte bereits immer Angst vor den Frauen, besondern vor starken Frauen, deshalb kam und kommt es zu dieser Diskriminierung. Gerade intelligente Frauen, Heilerinnen zum Beispiel, wurden verbrannt.
    Auf dem Land sagte man früher: die Kirche möchte die Menschen dumm halten, wer dumm ist, wehrt sich nicht und hat oft viele Kinder, wer viele Kinder hat, ist arm und hält den Mund.
    Viel hat sich nicht geändert …..
    Eines ist sicher: Jesus würde heute nicht zur katholischen Kirche gehören, würde dort höchstens die Händler vertreiben, die gibts immer noch, und es werden immer mehr….

  2. Interessant, wie man sich seitenweise in verkapptem Selbstmitleid ergehen kann, ohne ein einziges Argument aufzuweisen…

  3. @Nikodemus:
    Zuviel der Worte – ein einfaches „gähn“ reicht!

  4. Lol meine Herren,

    Dann gute Nacht Marie, der Schlüssel hängt unter dem Fensterbrett.

    Schlaft weiter sanft und ruhig! Den Seinen gibt es der Herr im Schlaf.

  5. Willi Heuvens

    Die Deutschen haben hohe Erfahrungswerte mit dem „Gähnen“ bzw. mit dem Abnicken oder mit dem Sich-Zurückhalten. Sonst hätten es die Nazis nicht so einfach gehabt. Und auch und gerade die katholische Kirche trägt eine große Schuld bzw. Mitschuld daran, dass Menschen im Lande und weltweit geknechtet, gequält und getötet wurden. Deshalb sollte man alles tun, nur eins nicht: Gähnen, Schweigen und die Dinge laufen lassen! Wobei für mich eines sicher ist: Jesus hat mit dem Katholizismus nichts zu tun.

  6. Willi Heuvens

    Ein weiser Mann, der auch mein Erzieher war, sagte mir mal: dauerhaft den Armen helfen bringt mehr als 1.000 Kirchgänge!

  7. Herr Heuvens,

    sorry und woher nehme ich die Kraft den Armen zu helfen?
    Vincent von Paul sagte: „Der Arme wir dir nie verzeihen, dass Du ihm geholfen hast.“
    http://dedeei.wordpress.com/2008/11/13/einfach-mal-ofter-abdrehen/#comment-41

  8. Willi Heuvens

    Helfen kann fast jeder, es muß ja nicht mit materiellen Dingen sein, auch sich kümmern -mal in den Arm nehmen – ist Helfen.

  9. Nein, tut mir leid das ist erniedrigen. Da bleiben wir im Dramadreieck Opfer-Retter-Verfolger stecken.
    Helfen heißt, leiden ermöglichen.

  10. Willi Heuvens

    Mitgefühl praktizieren, beim körperlich oder seelisch Leidenden sein, das kann auch bedeuten, an der Seite eines Leidenden zu stehen, beispielsweise ihn zu begleiten ….. zu Behörden, zu medizinischen Stellen usw., für ihn Dinge zu übernehmen, die er akut nicht selbst bewältigen kann….

  11. „Der Arme wird Dir nie verzeihen, dass Du ihm geholfen hast.“ Vincent von Paul

    „Gib einem hungernden einen Fisch und er wird einen Tag lang satt. Lehre ihn fischen und er wird nie wieder hungern.“

  12. Zitat:“Gib einem hungernden einen Fisch und er wird einen Tag lang satt. Lehre ihn fischen und er wird nie wieder hungern.”

    wow, dass zitat kannt ich nicht und ich muss sagen, da steckt gaaanz viel wahrheit drin…darüber muss ich mal nachdenken!!!
    dankeschön 🙂

    Bitte gerne geschehen. War mal ein Slogan einer Misereor Aktion. Den ich gut behalten habe.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s