rk schwarz …..1 Folge

Als Vier -Fünfjährige habe ich nie verstanden, warum „der liebe Heiland, wenn er so lieb war ans Kreuz geschlagen wurde“

Später habe ich nicht verstanden, warum mein christlicher Vater und die übrige gute katholische Verwandtschaft Offiziere waren und Hitler nicht mutiger entgegen getreten sind. Irgendwann habe ich mal gesagt: „Ich möchte auch mal einen Krieg erleben.“ Ich wollte verstehen was daran so schlimm war. Mein Vater antwortete ganz entsetzt, dann wäre das ja der dritte Krieg, den er erleben würde. Da schämte ich mich für meinen Egoismus und habe die Idee wieder fallen lassen.

Im Kindergartenalter waren meine Schwester und ich viel bei den Großeltern oben im Haus. Meine Großmutter zog uns mit einer alten Bibel mit sehr ausdrucksstarken Bildern auf.

Die Vertreibung aus dem Paradies, was hatten die denn wohl so Böses getan, dass die so weggeschickt wurden? Diesen Gott fand ich unheimlich und habe ihn nicht verstanden.

Das Isaaksopfer! Warum verlangt Gott so etwas. Wie gut dass da ein Engel kam und Abraham den Arm festgehalten hat.

Die ganzen Bilder vom Kreuzweg hinterließen einen bleibenden Eindruck in meiner Seele. Jesus steht vor Pilatus, warum wäscht sich der Mann die Hände in Unschuld? Warum verurteilt er jemanden, an dem er keine Schuld sieht? Die weinenden Frauen, warum durften die nicht weinen? Was ist mit dem grünen und dem dürren Holz?  Später hörte ich, dass die Frauen verwerfliches Selbstmitleid gehabt hätten.

Verbunden mit der wirklich liebevollen  und  gerechten Behandlung bei den alten Herrschaften, habe ich später nie den Spruch verstanden, trau keinem über dreißig. – Wie konnte man nur, die hatten alle bestimmt keine so guten Großeltern gehabt wie wir. –

Meine Mutter erschreckten wir dann abends mit einem Spiel, was wir  „Lieber Heiland und böse Juden“ nannten dabei stgellte sich eine an den Schrank und die andere schlug sie dann in ermangelung eines Kreuzes an den Schrank. Ich selber kann mich an das Spiel nicht mehr erinnern und meine Mutter konnte mir auch nichts zu der Rollenverteilung sagen, wer von uns beiden die Rolle des „lieben Heilandes“ übernommen hatte und wer die Rolle der „bösen Juden“

Hier stockt mein Fluß weiterschreiben zu können und bin doch erschrocken, mit wieviel antisemitischem Gedankengut ich aufgewachsen bin. Vor allen Dingen alle hatten es mal vor dem Krieg oder noch viel früher besser gehabt und die Idee der Armut, frass sich wie ein Ungeheuer in meine Seele. Weil wir arm konnten wir uns dieses oder jenes nicht leisten. Weil wir arm waren hatten wir keine Freunde. Erklärung meiner konvertierten Mutter.

Konflikte zwischen kath. und noch ärmerer ev. Großmutter.  Der Vers „Danket dem Herrn, denn er ist freundlich und seine Güte währet ewiglich“ wurde als evangelisch abgetan.

Regelmäßige fast tägliche Messbesuche mit den kath. Großeltern waren selbstverständlich und von mir auch gerne besucht. Später in der Volksschule rief der Lehrer alle paar Wochen auf,  wer wie oft in der Woche vor der Schule in der Messe war. Er hielt viel von einer guten Gewöhnung. Da ich gerne ging war diese Abfragerei kein Problem für mich. Ich fand es nur doof und verstand nur nicht so recht was das sollte.

Fortsetzung folgt

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8 Kommentare

Eingeordnet unter Bibel, Christen, Emanzipation, Fundamentalismus, Glaube, Kirche, Konfession

8 Antworten zu “rk schwarz …..1 Folge

  1. Ist es nicht genau das problem. viele glauben einfach, weil sie es nicht anders von zu hause kennen. gehen den religiösen gesetzen nach und finden irgendwann heraus, dass das der totale müll ist. das dieses kirchlich-religiöse nichts als regeln und bindende strukturen mit sich bringt. ich glaube, ich kann jeden verstehen, der nichts mit gott zu tun haben will, wenn man sein leben lang nichts als regeln und „du-musst-aber“ kennen gelernt hat…
    Wo bleibt da die freiheit? die liebe gottes die man erkennen darf? die freude frei zu sein? all das fällt meiner meinung nach weg, wenn man glaubt, weil es eben schon die oma, die mama, der papa und der freund getan haben!
    Deswegen heißt es ja auch wer nicht Vater und Mutter verlässt……..ist meiner nicht wert.

  2. weilwirunslieben

    @rotegraefin:
    Vorab: Ich bin rk.
    Im Kindergarten- und Grundschul-Alter habe ich die Bibel auch sehr ernst genommen. Allerdings relativierte sich das noch während meiner Kindheit zusehends, und ich fand es immer sehr hilfreich, die Bibel als so eine Art Bilder- und Märchenbuch zu sehen, damit konnte ich wesentlich besser umgehen.

    @Sarah:
    Was mir noch ungemein geholfen hat: Die saubere Trennung zwischen „Gott“ und „Kirche“.
    Das von Dir verwendete Zitat aus dem Matthäus-Evangelimu kenne ich ein klein wenig anders und würde es gern in einen größeren Kontext stellen:
    „Ihr sollt nicht wähnen, daß ich gekommen sei, Frieden zu senden auf die Erde. Ich bin nicht gekommen, Frieden zu senden, sondern das Schwert.
    Denn ich bin gekommen, den Menschen zu erregen gegen seinen Vater und die Tochter gegen ihre Mutter und die Schwiegertochter gegen ihre Schwiegermutter. “
    Und des Menschen Feinde werden seine eigenen Hausgenossen sein.
    Wer Vater oder Mutter mehr liebt denn mich, der ist mein nicht wert; und wer Sohn oder Tochter mehr liebt denn mich, der ist mein nicht wert.“

    Das ist ganz schön heftig. Ich habe mich ein Stück weit daran gehalten. Und mein Elternhaus frühzeitig verlassen. Nicht um Jesus zu folgen, sondern um mein eigenes Leben zu führen.

    Hallo Michael,
    was hier kursiv steht, ist von mir. Ja Jesus fordert und auf konstruktiv zu streiten! rotegraefin

  3. @weilwiruns lieben:
    ich hab das zitat gar nicht da rein gesetzt ;), dass war die gräfin höchstpersönlich 😛
    aber trotzdem schöne ausführung…

  4. weilwirunslieben

    @Sarah:
    Sorry, hatte ich übersehen.
    Eine schreckliche Angewohnheit der Gräfin, immer kursiv in den Kommentaren ihrer Leser rumzukritzeln, statt ihre Anmerkungen als eigene Kommentare zu kennzeichnen. Werd mich wohl nie, zumindest nur schwer dran gewöhnen 😉

    hihihi, dies ist mein Blog und ich halte mich an die Regel meines Pas: „Der Gast, auch wenn er noch so stört, es hilft im nichts er wird geehrt“ Verstanden?

  5. Michael

    Verstanden!

    „Lieber Gott, nimm es hin, dass ich was Besond’res bin. // Und gib ruhig einmal zu, dass ich klüger bin als du. // Preise künftig meinen Namen, denn sonst setzt es etwas. Amen.“

    (Robert Gernhardt)

    Na wer sagst denn, geht doch! Prima, eins rauf mit Mappe und Frühstück!

  6. @weilwirunslieben
    ehrenhaft wie ich bin, verzeihe ich dir diesen Fehler 😀

  7. weilwirunslieben

    @Sarah:
    thank you thank you thank you

  8. @weilwirunslieben
    immer wieder gern….immer wieder gern…..immer wieder gern!!!

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