Ins Gefängnis gesteckt und „unwertes Leben“ umgebracht

„Ich wollte ihr die Würde wiedergeben“ Bürgermeister Peter Driessen und der Stephan Lahr, Kaufmännischer Direktor der Klinik, gedachten Dienstag zusammen mit Schülern den Opfern der NS-Terrorherrschaft. (27.1.2009) Mit einer beeindruckenden Feier wurde am Dienstagder geistig behinderten Menschen gedacht, die von der Bedburger Klinik aus der NS-Euthanasie zum Opfer fielen. Erstmals wurde im Klinikmuseum ein Gedenkbuch ausgestellt, das 621 Opfer namentlich erwähnt. Die ärzliche Direktorin, Dr. Marie Brill, hatte sich dafür eingesetzt, dass die Namen der Opfer präsent werden. Den Anstoß dazu lieferte die Berlinerin Sigrid Falkenstein, die das Schicksal ihrer Tante Anna Lenkering auf ihrer Homepage öffentlich machte. Anna wurde 1936 in die Bedburger Anstalt eingewiesen und am 6. März 1940 mit 300 anderen Patienten in die Tötungsanstalt Grafeneck gebracht. Mit dem Schicksal der jungen Anna hatte sich auch die Künstlerin Ulrike Oeter erstmals 2006 im ArToll beschäftigt. Ihre Rauminstallation „Aenne‘s letzte Reise“ hat die Klinik angekauft und einen festen Platz im Klinikmuseum: „Ich wollte ihr die Würde wiedergeben“, sagte die Künstlerin. „Der stille Raum ist ein Requiem für Aenne Lehnkering, deren tatsächliche Geschichte erst 60 Jahre nach ihrem gewaltsamen Tod von ihrer Nichte Sigrid Falkenstein mühsam rekonstruiert wurde.“ Gleichzeitig wurde gestern die Ausstellung „Grafeneck“ eröffnet. Hier wurden 1940 mehr als 10.600 kranke und behinderte Menschen ermordet, davon auch mehrere hundert Patienten aus der damaligen Heil- und Pflegeanstalt Bedburg-Hau. Wie aktuelle Nachforschungen ergeben haben, wurden insgesamt 2.832 Patienten in verschiedene Vernichtungslager deportiert. Die Klinik war damals mit etwa 3.500 Patienten die größte psychiatrische Anstalt des Deutschen Reiches. Über das Schicksal der verbliebenen Patienten ist (noch) nichts bekannt. Ob sie in Bedburg ermordet wurden, ist ungewiss. „Dafür gibt es keine Beweise“, so Dr. Marie Brill. Möglicherweise starben viele Patienten an den Folgen der Mangelernährung. „Die Ernährung in den Kliniken war genauso wie in einem KZ“, sagte der Arzt Dr. Friedrich Leidinger aus Köln. Schon 1932 seien nur 29 Pfennige pro Tag für die Ernährung ausgegeben worden. „Manche Kliniken wollten dieses Satz noch unterbieten“, so Leidinger. Die Rolle der Täter soll in Bedburg zum 100-jährigen Bestehen in drei Jahren aufgearbeitet werden.

Ins Gefängnis gesteckt …

Ins Gefängnis gesteckt … Im Gefängnis an der Krohnestraße wurde Dienstag Abend in einer Feierstunde an die Opfer des Nationalsozialismus gedacht (27.1.2009) Mehr als 1000 niederländische Frauen und Männer wurden bis zur Zerstörung des Klever Gefängnisses im Jahre 1944 in Kleve inhaftiert. Das sagte am Dienstag Abend Karl Schwers, Leiter der Klever Justizvollzugsanstalt während der Gedenkfeier an die Opfer des Nationalsozialismus. Im Jahre 1996 hatte der damalige Bundespräsident Roman Herzog den 27. Januar zum nationalen Gedenktag gemacht. Seitdem hat dieser Tag in der Stadt Kleve eine besondere Bedeutung: Der 27. Januar wird seitdem auf stille Art begangen. Bisher hatten vor allem die Schulen die Aufgabe, die Gedenkfeier zu gestalten. In diesem Jahr fand die offizielle Gedenkfeier in der Justizvollzugsanstalt in der Krohnestraße statt. „Wir haben uns in diesem Jahr entschlossen, die Justizvollzugsanstalt als Veranstaltungsort zu wählen, da dieses Gebäude eine historische Stätte darstellt, in der während der Zeit des Nationalsozialismus in massiver Weise Unrecht geschehen ist“, führte Karl Schwers in die Gedenkstunde ein. Ausführlicher Bericht am Mittwoch im Klever Wochenblatt

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4 Kommentare

Eingeordnet unter Atheisten, Deutschland, Emanzipation, Kleve, Politk, Wissenschaft

4 Antworten zu “Ins Gefängnis gesteckt und „unwertes Leben“ umgebracht

  1. andrejo

    Als ich in meiner Jugend zwangsweise von der Schule nach der Gedenkstätte Plötzensee und auch zum KZ Dachau geschleppt wurde, habe ich Witze gerissen, wie so viele andere auch. Einerseits, weil ich meine Unsicherheit ob der unvorstellbaren Bilder überspielen wollte (das weiss ich heute, weil ich zwar nicht weiser, aber doch älter und verständiger geworden bin!) und andererseits, weil ich der Meinung war, irgendwann sollte Schluss sein mit diesen ewigen Schuldzuweisungen. Schließlich war ich damals nicht dabei. Heute, fast 35 Jahre später, glaube ich, dass es richtig ist, wenn man auch nach so langer Zeit noch daran erinnert, was für furchtbares Unrecht damals geschehen ist. Ich habe selber 2 behinderte Kinder. Sie wurden nicht behindert geboren, sondern erkrankten in ihrer Jugend. Sie sind beide eine besondere (trotz oder gerade wegen ihrer Behinderungen – Epilepsie und Diabetes) Bereicherung für mein Leben und ich möchte es nicht missen, sie als Babys und auch heute noch in meinen Armen gehalten zu haben.

    Möge Frieden allezeit mit Dir sein,
    andrejo

    Danke für diesen ehrlichen Kommentar. Er versöhnt mich mit vielen negativen Erfahrungen und stärkt meine Hoffnung in einer besseren Welt zu leben. und jeder Mensch entwicklungsfähig ist.

  2. Kannst Du auch ein bisschen davon erzählen, was Du gelernt hast?

  3. Irgend ne Ahnung wie sehr das verallgemeinerbar ist?

    Nein. Was bringt eine Verallgemeinerung? Wozu ist die nötig?

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