„Wer noch hofft, wird radikal“

Zum 100. Geburtstag des brasilianischen Erzbischofs Dom Helder Camara

dpa
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Mutter Teresa und Dom Helder Camara 1985

Von Christian Modehn

Er wollte sichtbar zur Welt der Armen gehören, vermietete sein bischöfliches Palais und lebte bescheiden in einer kleinen Zweizimmer-Wohnung. Solidarität war für ihn die wichtigste Tugend: Dom Helder Camara, Erzbischof von Recife, besaß kein Auto, die Armen trafen ihn unterwegs im Bus. Er war überzeugt: Die Kirche muss sich radikal verändern, will sie sich im Ernst auf die Botschaft des armen Jesus von Nazareth beziehen. Camara (1909-1999) hat die Theologie der Befreiung gefördert. Dabei war er eher ein Poet und Mystiker. Er betonte immer wieder:  „Wenn sich die reichen Christen nicht bekehren, werden Millionen Armer im Elend versinken“. Bei den brasilianischen Militärs war er genauso verhasst wie bei manchen im Vatikan. Während des 2. Vatikanischen Konzils gründete er – beinahe subversiv – eine bischöfliche Lobby zugunsten der Armen. Sie verehrten „ihren“ zerbrechlich wirkenden Freund. Sein Nachfolger im Bischofsamt hat Camaras befreiungstheologische Institute verboten. Vor 100 Jahren wurde Helder Camara geboren, vor 10 Jahren starb er. Bei den Armen ist er noch lebendig.

Redaktion: Theo Dierkes

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5 Kommentare

Eingeordnet unter Christen, Emanzipation, Fundamentalismus, Glaube, Kirche, Leben-lieben-leiden, Menschliches, Soziales, Weisheit

5 Antworten zu “„Wer noch hofft, wird radikal“

  1. schweizerkrieger

    Ja was viel nicht wußten, Mutter Teresa war auch eine Anhängerin des Opus Dei. Ist das nun gut oder schlecht?!, Egal wissen sowieso die meisten nicht

    Und? Was willst Du damit sagen?
    Du kannst doch auch ohne Gottes Willen keinen einzigen Schnaufer tun!

  2. schweizerkrieger

    Da sind wir wider beim Thema! Frage, findest du es falsch die Italienerin sterben zu lassen, die seit 17 Jahren im Koma liegt? Ich denke du bist dagegen!!

    Nein, was sollte daran falsch sein? Der Tod gehört nun mal zum Leben. Die künstliche Lebensverlängerung finde ich falsch. Das ist sehr oft würdelos.

  3. Was für eine interessante Seite, Rote Gräfin

    schon seltsam, dass die kirchlichen, stillen Anhänger eine solche Resonanz hinterlassen …

    Sei es negativ in der Kirche als Institution
    Sei es positiv beim armen Volk

    Aus meiner Sicht hat sich diese Kirche schon lange vom Volk entfernt; manchmal glaube ich, sie wollte es nie anders …

    Liebe Grüße
    aus dem Spinnrad
    von
    Sabine

    Danke schön so ein Lob tut immer gut.

  4. andrejo

    Es gibt immer einige Menschen, die fallen irgendwie aus dem Rahmen, so wie Dom Camara, oder Mutter Theresa, oder wer auch immer. Ob sie nun Christen sind und tatsächlich wirkliche, christliche Nächstenliebe praktizieren (so was soll´s echt geben!), oder ob sie sich vom Christentum (was auch immer das ist und es ist sicher ein Stück weit eine Sache der persönlichen Ansicht) entfernt, bzw. noch nie in dessen dunstkreis gehört haben. Man muss nicht Christ sein, um Gutes tun zu können, es erleichtert das „Gutsein“ auch nicht.
    Es ist die innere Einstellung zum Leiden anderer Menschen, die zählt und jemanden dazu bringt Mitgefühl und Mitleid zu empfinden.
    Nach der Vergangenheit, die die Kirche, insbesondere die katholische, aufzuweisen hat (dies ist eine Anspielung auf das finstere Mittelalter, mit brennenden Scheiterhaufen, Folter und Inquisition, Hexenverfolgung usw.), hat sie in meinen Augen zwar das Recht darauf verspielt, sich als die einzige und letzte moralische Instanz auf dieser Welt darzustellen. Es waren aber schon immer die Menschen, die aus der Kirche etwas besonderes gemacht haben. Aber ich glaube, sie wären auch etwas besonderes gewesen, wenn sie nicht der Kirche angehört hätten. Sie waren und sind eben besondere Menschen, das ist es, was zählt!

    Gruß von andrejo

    Du sprichst mir aus der Seele. Danke.
    Als einzige Ergänzung möchte ich hinzufügen, durch den Missbrauch von Macht und der Verweigerung Verantwortung für das eigene Denken und Handeln zu übernehmen wird Gutes verhindert. Dies gilt es zu erkennen. Auch dieser Mechanismus ist unabhängig vom Glaubensbekenntnis.

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