Ein Teil der dummen Masse

Ich musste zu einer Darmspiegelung, wie schon einige Male vorher auch.
Als ich ins Untersuchungszimmer kam wurde ich von der Schwester nach meiner Begleitperson gefragt.
„Ich habe keine“
„Ja aber ist es ihnen nicht gesagt worden, das sie eine haben müssen.“
„Nein“
„Das hat aber auf dem Aufklärungsbogen gestanden.“
„Das habe ich nicht gelesen.“
„Wollen sie ohne Betäubung untersucht werden?“
„Ich habe hier schon einmal ein Bett bekommen, um ausschlafen zu können.“

Schweigen sie verließ den Raum und kam zurück.

„Hier ist ihre Hose. Kleiden sie sich bitte unten herum aus und ziehen sie diese Hose an!“ und verschwand.
Gesagt getan! Mir war etwas zu warm und so zog ich auch mein Tshirt aus und legte auf die Untersuchungspritsche.
Die Schwester kam zurück und schien erstaunt, dass ich mich schon hingelegt hatte. Dann bemerkte sie, dass ich auch mein Tshirt ausgezogen hatte.
„Das hätten sie anlassen können.“
„Mir war zu warm.“
„Ich muss ihnen das nachher wieder anziehen, das ist dann mehr Arbeit für mich!“
Daran hatte ich natürlich nicht gedacht. Ich bat noch meinen Blutdruck zu messen, da ich meinte das er etwas spann. Sie tat es:
„Wie ein junger Gott! 120/80 “
Ich war beruhigt. Dann kam der Arzt und stellte sich freundlich vor. Ich interessierte mich:
„Auch ein Grieche?“
„Nein von der anderen Seite des Bosperus. Ein Türke!“
Dann kamen Fragen zur Anamnese.
„Ich habe schon einmal eine OP am Darm gehabt. 4 cm wurden herausgeschnitten.“
„Wo?“
„Das weiß ich doch nicht!“
„Sie waren doch dabei!“
„Ich weiß trotzdem nicht wo mir der Darm weggeschnitten wurde. Die OP war hier im Krankenhaus!“
Er legte mir die Kanüle und gab mir die erste Spritze. Bei der zweiten Spritze bat ich:
„Nicht soviel. Ich will gleich mit dem Taxi nach Hause fahren.“
„Was ist wenn sie zu Hause stürzen wer hebt sie dann auf?“
„Meine Katzen!“
„Wir werden dann verklagt!“
Die Schwester ergänzte: „Die Spritze ist so stark, dass sie nicht wissen, was sie tun.“
„Na ja dachte ich, ich werde es ja sehen aber hier wird enorme Angst gemacht.“ und die Untersuchung begann und war auch erst etwas schmerzhaft. Danach konnte ich auf dem Bildschirm mit verfolgen was passierte. Zwischen drin telefonierte der Arzt was ich sofort kommentierte
und wieder meinen auch hier bekannten Sermon los ließ, dass jeder der wichtigste Mensch in seinem Leben ist. Ein Polyp wurde entfernt und die Prozedur war beendet.
Die Schwester legte mir meine Klamotten auf das Fußende und ich nahm die Gelegenheit war mich noch etwas benommen wieder anzukleiden. Jetzt hatte ich wohl die gute Frau in ihrer Berufsehre getroffen und bekam auch folglich   völlig logisch aus ihrer Sicht eine Rüge ab:
„Ich wolle ja keine Hilfe annehmen.“
„Ich bin doch gerade dabei ihnen Arbeit abzunehmen und wenn ich falle, dann sind sie ja noch da um mich aufzuheben.“
“ Wenn sie fallen, dann haben sie mir noch mehr Arbeit gemacht.“
Es war eine ganz freundliche und liebenswerte Dame, aber ich habe gemerkt, dass es einfach zwischen ihrem Denksystem den Vorschriften zu folgen und Hilfe zu leisten und meinem Denksystem und Erwartung den Patienten in seiner Selbstständigkeit so weit zu unterstützen wie es möglich ist zu belassen, nur eine ganz minimale Brücke der Verständigung gibt. Die Angst einen Fehler zu machen entmündigt alle Beteiligten. Der Blick auf die Heilung und Gesunderhaltung des Patienten ist verloren gegangen und der Angst vor dem was alles passieren kann gewichen.

Advertisements

3 Kommentare

Eingeordnet unter Biografisches, Emanzipation, Finanzen, Glaube, Kleve, Menschliches, Soziales, Verantwortung

3 Antworten zu “Ein Teil der dummen Masse

  1. ich glaube, dass es dem menschen prinzipiell frei steht, nach einer befindlichkeitsorientierung zu leben, oder leben zu lernen.

    Dein Wort in Gottes Ohr. Das selbe glaube ich auch. Nur zwischem meinem Glauben und der Realität liegen eben Welten und die neigen dazu uns eben zu Unmenschen zu machen.

  2. Philipp

    Kannst Du eigentlich nur in solchen Umgangsmanieren mit der Aussenwelt kommunizieren?
    Was meinst Du mit nur?

  3. Philipp

    Ausschließlich oder Überwiegend. Fällt Die eigentlich nicht auf, wie viele Probleme Du mit Dir rumschleppst und nicht verarbeitet bekommst?
    An wem liegt das wohl?

    Da bin ich aber froh, dass Du Dich berufen fühlst mich darauf aufmerksam zu machen

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s