Tod – Trauer – Trost 2

Jetzt saß ich also ganz beruhigt im Zug und irgendwo stiegen zwei junge Soldaten dazu und machten es sich in meinem Abteil bequem. Ich vermutete, dass sie auf Heimaturlaub waren. Sie unterhielten sich ganz munter über ihre Autos und was sie da alles dran gebastelt hatten. Ich glaube mich zu erinnern, dass es um einen Betrag von an die 10 000 DM ging. Ich war erstaunt und verwundert über die hohe Summe und freute mich aber auch über willkommene Ablenkung von meiner Trauer und von meinem Schmerz.

Mit einem Mal sagte einer der beiden, es könne sonst etwas passieren, das wäre alles nicht schlimm. Auch wenn seine Mutter stürbe, das wäre nicht schlimm, aber wenn seinem Auto etwas passieren würde, dann wüsste er nicht was er machen würde. Das wäre schlimm.

Ich erschrak ziemlich. Sollte ich jetzt was sagen, warum ich gerade mit ihnen in diesem Abteil saß? Das mein Bruder sich erschossen hatte und gerade fertiger Arzt bei der Bundeswehr war? Ich unterließ es! Ich wollte ihnen die Freude nicht nehmen und hatte auch Scheu davor, wieder erneut in Tränen ausbrechen zu müssen.

War ich jetzt feige gewesen und einem notwendigen Konflikt aus dem Weg gegangen?

Ich habe mich für den momentanen Trost entschieden. Es gibt wohl in einer solchen Situation kein richtig und kein falsch.  Schweigen ist für mich dann manchmal der bessere Weg.

 

 

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2 Kommentare

Eingeordnet unter Atheisten, Biografisches, Emanzipation, Glaube, Leben-lieben-leiden, Männer, Menschliches

2 Antworten zu “Tod – Trauer – Trost 2

  1. Unglaubliche Geschichte, aber andererseits gehen zwischenmenschliche Bindungen immer mehr verloren, während die Würdigung des Materiellen steigt. Dein Schweigen lässt sich nachvollziehen; mir hätte es wahrscheinlich eher die Sprache verschlagen.

    Schön übrigens, dass es die rote Gräfin noch gibt – früher hatten wir uns, dies zur Erinnerung, öfter über gegenseitige Kommentare ausgetauscht.

  2. Es hat so viele Dinge in meinem Leben gegeben was mir die Sprache verschlagen hat, dass ich es kaum aufzählen kann. Mittlerweile habe ich den Mut gefunden, zu fragen wie andere es sehen und sie dann mit meiner Meinung abzugleichen. Das war mir früher nicht möglich, weil ich selber so verletzt und Suizid gefährdet war.
    Was einmal gut war kann ja auch wieder aufgelebt werden.

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