SÜNDENFALL UND GEBURT CHRISTI

EINMAL ANDERS GESEHEN.

Wer hat eigentlich erfunden, dass Maria Jungfrau unberührt war und geblieben ist und trotzdem ein Kind gebären konnte?

Wer besteht darauf, dass Jungfrau im rein biologischen Sinn zu verstehen ist, und nicht in einem viel würdigerem geistigen Sinn zu sehen ist? Es wird ja sonst so oft gesagt, dass vieles in der Bibel nicht wörtlich zu verstehen ist. Warum dann nicht Lehrsätze, noch einmal nüchtern auf ihren lebbaren Wahrheitsgehalt untersuchen, die uns Frauen, in unserer Weiblichkeit über Jahrhunderte hinweg einen enormen Schaden zugefügt haben? Die Gnade baut doch auf der Natur auf und nicht umgekehrt.

Mittlerweile ist es ja erwiesen, dass vor der Entdeckung von Ackerbau und Viehzucht die Frau und Mutter eine alles tragende Rolle gespielt hat. Ihr wurde die Macht über Leben und Tod und damit göttliche Kräfte zugeschrieben. Die Rolle, die der Mann bei der Empfängnis eines Kindes spielt, war völlig unbekannt. Eheliche Treue der Frau und damit auch sexuelle Unberührtheit wurde erst wichtig, als das Erbrecht von der Mutter auf den Vater überging. Der Mann wollte sich sicher sein, dass er an seine und nicht an fremde Kinder vererbte. Eine Frau weiß immer ganz genau, dass das Kind, welches sie geboren hat, ihr eigenes ist. Ein Mann hat ganz einfach diese natürliche Sicherheit nicht.

(vgl. Bornemann: Das Patriarchat)

Im Rheinland und in der Eifel gibt es die Sitte des „Maibaum-Steckens“ und auch die Redensart: „Wir müssen mal wieder ein Bäumchen fällen.“ Für miteinander schlafen. Neben dem Maibaum-Stecken, der die Verehrung eines jungen Mannes für ein bestimmtes Mädchen beinhaltet, hat dieser Brauch eben auch eine starke sexuelle Symbolik. Der Baum wird in einen Schornstein oder Abfluss gesteckt.

(vgl. Grütner: „Zwischen Angst und Lust“)

Wird jetzt einmal der Sündenfall mit dieser volkstümlichen Symbolik verglichen, so ergeben sich ganz neue Aspekte. Gott und Eva wissen darum, dass es tödlich ist vom Baum der Erkenntnis von Gut und Böse zu essen. Gemeint ist hier doch nicht, dass wir Menschen nicht neugierig sein dürfen und keine Erkenntnis erlangen sollen, sondern eher, dass wir mit dieser Erkenntnis nicht in Gut und Böse einteilen sollen und damit moralisch verwerfen und mit dieser Verwerfung zu sein wie Gott. In diesem Falle, die Erkenntnis des Mannes, dass sein steifes Glied (Bäumchen) den Samen zur Befruchtung des weiblichen Eies enthält und damit besser ist als die Vagina der Frau. Erst diese Aufspaltung in Gut und Böse ist tödlich, vergiftet unser ganzes Leben und trennt uns von Gott und dem Paradies. Diese Spaltung ist auch zutiefst frauen- und menschenfeindlich.

Diese Aufspaltung in Gut und Böse wird schon mit den Erzählungen um die Geburt Christi aufgehoben. Gott wurde Mensch in der Umkehrbewegung von uns Menschen, die wir immer wieder versuchen göttlich, allmächtig und auch schmerzlos zu sein. Gott wurde Mensch und hat damit auch unsere Sünden getragen. Viel mehr aber noch trägt er unsere Schmerzen mit uns, die uns oft unschuldig zugefügt werden.

Was heißt jetzt eigentlich Jungfrau und Mutter?

Maria war eine Jungfrau, die keinen Mann erkannte, d. h. liebte. Wer war da der Engel Gabriel, wenn Josef überlegte, Maria in aller Stille zu verlassen? Maria war schwanger und ganz offensichtlich nicht von Josef. Der Heilige Geist, der über Maria kommen sollte, ist doch die Liebe, die das Erkennen eines Mannes erst möglich macht und damit die besten Voraussetzungen für die Empfängnis eines Kindes schafft. Aber einmal abgesehen von allen theologischen Spekulationen, aus den biblischen Texten geht eindeutig hervor, dass Jesus ein nichteheliches Kind war. (Wenn wir uns dann die Praxis der Machthaber der Kirche über Jahrhunderte hinweg mit nichtehelichen Kindern und ihren Müttern betrachten, können uns nur sämtliche Haare zu Berge stehen.)

Maria wurde auch als freie Frau behandelt und erst in einem Dialog auf ihre Zustimmung gewartet, anders als bei Zacharias, der stumm wurde, als er nicht glaubte.

Maria gebar auch ihren Sohn den Erstgeborenen und nicht ihren Einziggeboren. Es schließt also auch nicht aus, dass Maria noch mehrere Kinder geboren hat, worauf auch Mk 3,31 hinweist. Was bedeutet dann aber Jungfrau angesichts der biblischen Fakten?

„Diese Bezeichnung bedeutet nicht `bar jeder sexuellen Erfahrung,´ sondern vielmehr `in ihrer weiblichen Integrität unberührt durch männliche Gesetze.´ (Suttle/ Redgrove Die weise Wunde Menstruation S. 117)

In frauenfreundlichen Religionen bedeutet Jungfräulichkeit auch der Zustand der erneuten Empfänglichkeit nach der Menstruation. Führen wir uns einmal diese Überlegungen in aller Ruhe vor Augen, dann wird nur deutlich, wie sehr die menschenfreundliche Lehre und das Beispiel Jesu fast 2000 Jahre durch rein männliche oder besser patriarchale Interpretation verfälscht und verleugnet wurde und noch weiter wird. Dies sollte uns aber den Rücken stärken, nicht aufzuhören, uns für die Emanzipation unserer Weiblichkeit, unsere Selbstverwirklichung und unserer Rechte einzusetzen, aus denen heraus wir erst wirklich lieben können.

roteGräfin Frühjahr 1987 für die Zeitschrift der Frauen, die vom Zölibat betroffen sind: „Ein Sprung in der Kette“ der Artikel wurde nie veröffentlicht.

Der Artikel wurde unter dem starken Eindruck geschrieben, den ich nach dem ersten Treffen mit den Frauen, die vom Zölibat betroffen waren, erhalten habe. Darunter war eine Frau, die berichtete, dass sie und der Priester erst jetzt im Sommer ihrem damals zehn oder elfjährigen Sohn gesagt hatten, wer sein Vater ist. Später traf ich dann gerade diesen Jungen im Schlafsaal an, zu einer Zeit als die verheirateten Priester mit den allen anderen Kindern einen Spaziergang machten, damit die Frauen ungestört sich austauschen konnten. Als ich diesen Jungen darauf aufmerksam machte, schaute er mich mit einem ganz verwundeten Blick an und sagte vorwurfsvoll: „Das hat mir keiner gesagt, mir sagt ja nie einer etwas.“ Ich konnte es nur bestätigen und schickte ihn los hinterher zu laufen. Ich werde nie diesen verwundeten Blick vergessen.

8 Antworten zu “SÜNDENFALL UND GEBURT CHRISTI

  1. Du meinst doch die sogenannte „unbefleckte Empfängnis“, wenn du die „unberührte Maria“ ansprichst??!!

    Mir scheint da ein großes Missverständnis vorzuliegen… unbefleckte Empfängnis meint eben genau die geistige Würde Marias:

    Sie selbst (!) ist ohne Schuld (Erbsünde) empfangen worden, also unbefleckt, und hat Jesus in diesem Zustand der Reinheit empfangen.

    Es ist also genau die WÜRDE und der reine GEIST Mariens, die besonders herausgestellt werden.

    Auch ein Hinweis darauf, dass jeder Mensch immer schon als Gedanke in Gott existiert, somit geliebt und gewollt und angenommen ist.

    Wenn schon Kritik, dann daran, dass es ein holprig-menschlicher Versuch ist, diese Würde der Maria festzuschreiben, als Doktrin aus dem Jahr 1854, 8. Dezember, durch Pius IX.

    Und doch: Da ist etwas Göttliches dabeigewesen, bei dieser Erkenntnis, dass Maria eine „erwählte Frau“ war, und dass dieses Andenken auf ganz besondere Art geschehen sollte.

    Auch die Jünger wurden zur Nachfolge erwählt, aber das ist eine andere Geschichte…

  2. rotegraefin

    Hallo kroski,

    ich meine dass jeder Mensch einen weiblichen, einen männlichen und einen kindlichen Anteil in sich trägt.
    Diese Anteile liegen durch Tradition (Erziehung) und Zivilisation miteinander im Konflikt, meistens geht das Kind in uns baden.

    Es ist die Aufgabe eines jeden wahrhaftigen und liebevollen Menschen dieses Kind wieder hervorzulocken und spielen zu lassen.

    Wenn ihr nicht werdet wie die Kinder. Kinder sind von Natur einfühlsam und leben im Augenblick.

    Es ist immer ein holpriger Versuch etwas fest zuschreiben. Jesus starb ja nicht am Kreuz, weil er so lieb, wie mir noch beigebracht wurde, sondern weil er die Bilder und Aktionen seiner Zeit in Frage gestellt hat.
    Die Händler aus dem Hause des Vaters zu vertreiben, war schon ganz schön aggressiv.

    Ich denke es kommt immer wieder darauf an sich nicht dem eigenen Entwicklungsprozess zu verweigern oder zu entziehen. Der wird immer im Dialog und in der Annahme der Beziehung gefördert.

  3. Du hast mich auf meinem Blog eingeladen, einen Kommentar zu diesem Artikel zu schreiben. Leider fühle ich mich ein wenig inkompetent zu diesem Thema, aber ich denke, Maria war ja die Mutter Gottes, was eine ganz hervorragende Stellung bedeutet.

    Ich denke an die leise Ironie im Matthäus-Evangelium, wenn der Stammbaum Jesu aufgezählt wird von David bis Josef (3 x 14 Generationen, wobei David die Zahl 14 ist und somit ausgesagt wird, dass Jesus 3 mal heiliger ist als David).

    Im nächsten Moment erzählt Matthäus, dass Josef gar nicht der Vater Jesu war, sondern dass er eine menschliche Mutter hatte und Gott als Vater.

    Das bedeutet schon eine biblische Sonderstellung der Frau.

    Bei Paulus heisst’s dann allerdings eindeutig „der Mann ist das Haupt“. (erinnert mich an den alten jüdischen Witz, als eine Frau ihren Mann gekratzt hat im Streit und dann der Mann zum Rabbi geht, um sich zu beklagen. „Hast Du nicht gewusst, dass der Mann das Haupt der Familie ist?“ schimpft der Rabbi mit der Frau. Sie sagt: „aber man wird sich doch hie und da am Haupte kratzen dürfen??!!“)

  4. rubynsteyn

    ….fernab aller theologischen Erklärungen war ich recht angetan von dem Buch von Maria Elisabeth Straub namens „Das Geschenk“ , das hat eine interessante Sichtweise auf die Geschichte von Maria .

    Aha das Buch und ihre Autorin sind mir unbekannt, schön dass es bei Ihnen etwas bewegt hat.

    http://www.hr-online.de/website/rubriken/kultur/index.jsp?rubrik=8900&key=standard_document_28382014

  5. яυву тυєѕ∂αу

    der link funktioniert aber nicht.
    merkwürdig wollte es korrigieren klappt nicht kommt gar nix mehr.

  6. Jesus, ein unehelisches Kind?
    Also liebe Graefin auf diese Idee muss man erst mal kommen!
    Jesus als wahrer Gott aber auch als Mensch konnte nur von Gott Vater stammen. Deshalb bedurfte es in diesem Fall der perfekten Reinheit, innerlich wie äußerlich. Maria war ganz auf Gott ausgerichtet d.h. sie lebte nur für Gott. Etwas was wir uns heute kaum mehr vostellen können. Sie wollte gar keinen Mann, Josef nahm sie und Jesus in Obhut, er war selbst immun gegen Sinnlichkeit.
    Maria war es auch die die Würde aller Frauen „wiedererkämpft“ hat diedurch Eva zerstört wurde.
    Frauen fühlen sich heute ofr erniedrigt, begreifen aber nicht dass sich selbst erniedrigen weil sie wie Männer sein möchten. Das kann niemals sein. Wäre es so hätte Gott nicht Mann und Frau erschaffen sondern nur eine Art Mensch.
    Schönen Tag
    Hiti

    Aha warum hat dann Matthäus uns dies berichtet?
    Jesu Geburt
    18 Die Geburt Jesu Christi geschah aber so: Als Maria, seine Mutter, dem Josef vertraut1 war, fand es sich, ehe er sie heimholte, dass sie schwanger war von dem Heiligen Geist. 19 Josef aber, ihr Mann, war fromm und wollte sie nicht in Schande bringen, gedachte aber, sie heimlich zu verlassen.
    Ist der heilige Geist eine Taube oder die Kraft Gottes, die in uns die Liebe entzündet für seine ganze Schöpfung?

  7. Den Geist Gottes könnte man als ausführende Kraft Gottes bezeichnen. Im Text von Matthäus gibt es nichts widersprüchliches.
    Schöne Grüße
    Hiti

  8. es entschieden alle Entscheidungsträger über den Kopf der kleinen Maria hinweg.
    sie hat keiner von denen gefragt, war wohl ganz unnötig…
    eine Kuh fragt man ja auch nicht, ob sie will.

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