Warum nennst du dich rote Gräfin?

Da ich das jetzt hier gefragt wurde, gebe ich hier einmal eine Antwort.

Das ist eine lange Geschichte und es ist ein Kampf mit der Geschichte, heutigen Vorurteilen und Selbstverurteilungen.

Tatsache ist, die Gräfin ist ein Teil meines Namens.

Meine bürgerliche Mutter, die uns Kindern dann vermittelte, primär meinen Brüdern, sie habe ihnen den Stammbaum versaut, ( Damals wurde  man  bei den Malteserrittern noch erst mit 16 nachgewiesenen adeligen Vorfahren aufgenommen.)  legte großen Wert darauf,  dies nicht zu vergessen. Für meinen Vater war es eine lebenslange Kränkung nicht mehr in dem Wohlstand zu leben wie er es als Kind erlebt hatte.

Die „Langhaarigen“, wie wir beiden Mädchen genannt wurden,  hatten nur zu funktionieren. So  habe ich von Kindheit an Schwierigkeiten mit dem Namen gehabt, bekommen und sie wurden mir auch eingeredet. Eben eine Mischung von allem. Es war keine Selbstverständlichkeit dazu gehören. Mit dem kritischen Geist und der unter einer dicken Schicht Ruppigkeit tief verborgenen Herzlichkeit meiner Ma wurde jede Ablehnung genau registriert. Zuwendung wurde als lästig empfunden und abgelehnt. Meine Ma hat das Kunststück fertig gebracht neun Kinder in die Welt zu setzen, die sie nicht gewollt hat. Sie zog uns mit dem Satz groß:  „Wenn ihr nicht wärt, würde ich mich mit Pa besser verstehen.“

Diesen jetzt gebrauchten Nick hat mir ein ehemaliger Militärpfarrer verpasst, in der Zeit als ich kath. Jugendarbeit im Bistum Köln machte.  Ein Kollege erzählte mir damals davon. Mir war klar, dass er meinen Namen kannte, da ich aus einer Offiziersfamilie stamme und er Militärpfarrer gewesen war.  Als ich ihn dann später auf einer Tagung traf, und ich ihn, wie ich es mir damals  angewöhnt hatte, korrigierte,  die Gräfin weg zu lassen und mich Frau XYZthal zu nennen. Antwortete er darauf hin:  „Was Du ererbst von Deinen Vätern, erwirb es um es zu besitzen. “ Ich hab nur gedacht, „Ar…loch“ und ihn stehen gelassen.

Später hatte ich dann mit seiner Pfarrei zu tun und besuchte ihn . Dort sprach ich diese Begebenheit dann an, und meinte  zu ihm.  „Rot ist doch die Farbe des Heiligen Geistes, der Märtyer und der Liebe.“ „Recht,Recht haben sie,“ meinte er und die Sache war für mich gegessen.  Später hörte ich, dass alle Pastöre ein leichtes Grausen zu erkennen gaben, wenn von mir die Rede gewesen sei. Ich habe es verwundert zur Kenntnis genommen. Heute denke ich,  sie waren meine Direktheit nicht gewohnt.

Meine väterlichen Verwandten waren alle recht vornehm und meine Ma meinte nach dem typischen Holzbeinprinzip, dass sie/wir nicht gemocht wurden, weil wir „arm“ waren  und sie bürgerlich.  Ich  habe so ziemlich jeden Blödsinn geglaubt und wollte meinen Eltern zu einem glücklichen Leben verhelfen.  Aus dieser Nummer bin ich nur schlecht herausgekommen, weil ich nicht gemerkt habe, dass ihr Unglück ganz woanders begründet lag und sie sich selber nicht verantwortlich sahen und auch nicht sehen wollten. Der Schmerz wäre  zu unerträglich gewesen.

Ich kenne meine Verwandten.  Sie sind gemischt wie alle anderen Menschen in diesem Land auch.  Ihr größtes Übel und daran ist unsere Gesellschaftsschicht untergegangen, ist tatsächlich ihre Einbildung nach außen, dass sie etwas besseres sind und nach innen hin sich selber auf Teufel komm raus ablehnen und fertig machen. Dieses Übel hat leider unsere Mittelschicht fraglos übernommen und so wurde wenig aus den zwei verlorenen Weltkriegen gelernt. Auf dieses Übel weise ich hin.

Rot verweist auf das Blut was jedem Menschen durch seine Adern fließt und die Gräfin behalte ich, weil eben damit das Vorurteil von Arroganz und Hochnäsigkeit verbunden wird hinter der sich oft ganz viel Schmerz, Unsicherheit und soziales Elend wie Vereinsamung und Isolierung verbindet.  Ein  Leiden was mich mit vielen Menschen verbinden kann die ehrlich zu ihren eigenen Schmerzen stehen können. Die andren können es so wie so nicht verstehen. Denen versuche ich es ein bisschen beizubringen.

In jedem Fall bin ich wie Don Quichote durchs Leben gezogen und habe begonnen gegen Windmühlen anzukämpfen und wenn ich nicht gestorben bin, dann tue ich das heute immer noch so.

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21 Antworten zu “Warum nennst du dich rote Gräfin?

  1. olyly

    Hallo rotegraefin,
    nun kämpfen wir, wenn auch erst seit kurzem, manchmal tapfer Seite an Seite gegen das Unrecht und Dummheit in dieser Welt. Dabei habe ich Dein Weblog noch kaum besucht. Das soll sich aber ändern.

    Die Herkunft Deines Nicknames und Deine Geschichte finde ich übrigens hochinteressant.

    Bist Du damit einverstanden, dass ich Dich in meinem Blogroll aufnehme?

    Gruß, Olyly

    Ja danke! Ich freu mich darüber.

  2. Liebe Rotegräfin,

    Deine Zeilen lesend – Freude, Sympathie, Tränen der Liebe.

    Ganz liebe Grüße
    Burkhardt

    Danke

  3. Manchmal bin ich richtig froh, dass es unserer Familie weder Adel noch Geld gibt. Das schließt schon mal viele Probleme von Anfang an aus. Gut, dafür hat man, oder sucht sich, andere, aber ohne wär es wohl auch zu langweilig.

    Schön jedenfalls, dass Du Dich nicht auf irgendwelchen Titeln und Konventionen ausruhst. Weiter so. Und im Kampf gegen die Ignoranz (Dummheit ist laut meinem dad eine „Gabe Gottes und darf nicht bestraft werden) bist Du nicht allein 🙂

    Ich habe bei geistig behinderten Kindern angefangen zu arbeiten und dort rief eine Kollegin regelmäßig: „Gott ist mit die Doofen“ weiter gilt „Dummheit und Stolz wachsen auf einem Holz“ und „Angst macht dumm“ danach müsste doch „Gefahr erkannt, Gefahr gebannt“ möglich sein.

  4. Mit dummen Menschen kann ich noch halbwegs entspannt umgehen. Mit wem ich wirklich Schwierigkeiten habe, und mich sehr anstrengen muss, mich halbwegs gesellschaftlich akzeptabel zu verhalten, sind Ignoranten. Für mich sind das Menschen, die sich absichtlich oder aus Faulheit dumm stellen. Jemand dem die geistigen Fähigkeiten gegeben sind, sich gegenüber Mitmenschen/-geschöpfen und der Natur angemessen zu verhalten, dies aber aus Gemeinheit, Faulheit oder Gier oder was auch immer, nicht tut, dem möchte ich schon manchmal…
    Ob der Grundsatz „Gefahr erkannt, Gefahr gebannt“ immer greift, ich bin mir unsicher. Meist erkennt man die Gefahr zu spät um sie noch zu bannen. Dann hilft nur noch Schadensbegrenzung und Wiederaufbau. Aber Sprichwörter und Redewendungen sind eh schwierig. Ich habe zum Beispiel nie verstanden, warum es heißt „Gegensätze ziehen sich an.“ und „Gleich und Gleich gesellt sich gern.“…

    Stimmt die einzigste Rettung in diesem Leben halbwegs gut zurecht zu kommen, liegt darin nach der so genannten goldenen Regel zu leben. Also Ignoranten eben dann auch ignorieren, wenn es für sie wichtig ist. Funktioniert nur leider bei denen nicht so gut. Dann hilft es nur noch alle guten Sitten über Bord zu werfen und denen so lange auf den Wecker fallen, bis sie es nicht mehr ignorieren können.
    Nimm mal zwei Magneten in die Hand und halte sie mit den Pluspolen aneinander, dann weißt was gemeint ist. Anderseits räumst Du vermutlich auch nicht die Briefe von Kunde Meier in die Akte von Kunde Müller oder dann findeste doch gar nichts mehr wieder. Erst sucht man sich immer wieder die vertrauten Muster, bis man/frau entdeckt es geht auch anders und dann auch leichter.

  5. watnervt

    Uff den Wecker fallen kann dat dontblog übrijens janz jut. Und da dat dontblog een fast schon zwanghafter Ordnungsfreak is, landet bei dem auch keen Müller bei die Meier. Und finden tut dat dontblog och immer allet. Det is ja warum dat watnervt sich da ab und an mal woanders austobt. * 😉 * Is ja nich auszuhalten.

    Manno Mann watnervt Du nervst. Ich dachte Du bist ein Mann? Von denen habe ich immer gelernt, dass die sich durchsetzen können. Brauchste jetzt mich als Mami um die Erlaubnis dafür zu bekommen? datnervt schon ganz lange die lieben Bubis die nicht erwachsen werden wollen.

  6. watnervt

    Nee nee, da hat die rote gräfin falsch gedacht. Und det nich nur weil der 1. April is 😉 watnervt empfiehlt der roten Gräfin die einjehende Lektüre von watnervts jesammlten Jammereien. *hihi*
    P.S. Hat watnervt nich absichtlich jemacht, also sollte die rote Gräfin nich bös sein, wenn se denn herausfindet wer watnervt is…
    Ach du Donnerlitchen, jetzt auch noch ein Suchratespiel. Im Moment kein Bock drauf, liege mit Migräne im Bett. 😦

  7. watnervt

    Hm, dann will watnervt mal nicht so sein und erst mal gute Besserung wünschen. Und dann gibt es noch ein paar Tipps:
    watnervt war auch im Urlaub und watnervt is genauso groß wie dat dontblog.

    Na entweder bist Du der beste Verlobte oder der Doppelgänger von dontblog auch gut 😆 Is mich alles eins, denn bei Gott und den Menschen ist kein Ding unmöglich. 😉

  8. Pingback: petersemenczuk said « Rotegraefin's Weblog

  9. Endlich hast Du mal wieder was geschrieben.
    Das Du Probleme mit der Kirche hast spricht für Dich, die Kirche hat wunderbare Antworten auf Fragen die keiner stellt.

    Aber der Spruch Was du ererbt von deinen Vätern, dem kann ich beipflichten. Ich bin stolz darauf, das mein Grossvater in Stalingrad war und mein Grossonkel Mussolini (mit)befreit hat. Sie haben vielleicht auf der falschen Seite gekämpft, aber sie haben gekämpft.
    (zensiert)

    Deine Mutter hat sich selbst belogen und hat nicht zu ihren eigenen Entscheidungen gestanden, so sehe ich das.
    Ja das ist traurig aber wahr. Deswegen halte ich soviel von Wahrhaftigkeit.

  10. Das Problem mit der Lüge ist nicht die Lüge des anderen sondern wenn man sich selbst belügt. Unser Gehirn hat die Angewohnheit und immer verarschen zu wollen. Es ist schwer sich aus dem eigenen Labyrinth zu befreien. Deiner Mutter ist es wohl nicht gelungen.

    Eben um so wichtiger ist es zu verstehen, warum Menschen sich selbst belügen, meist geschieht es aus Angst vor Verurteilung.

  11. Dr. Fynn Minder

    Hallo,

    Mein Name Dr. F. Minder

    Ich bin äußerst bewegt über ihre Geschichte.
    wie kommt es dazu ,dass Sie sie gläubig sind?

    Das scheint mir die falsche Frage zu sein. Nur der richtige Glaube an das Leben und das Gute im Menschen, nämlich die Liebe zum Leben lässt einen soetwas überleben.

  12. Dr. Fynn Minder

    was meinen sie mit der Liebe zum Leben

    die welt in der wir leben macht das leben nicht mehr lebenswert und somit ist die liebe dahin.

    Ach schon wieder so ein Langweiler! Der nichts anderes kann als mir Löcher in den Bauch zu fragen. Lern selber denken das macht schlau!

  13. Dr. Fynn Minder

    Langweiler? ich bitte sie antworten sie sinngemäß auf meine frage um es mir zu erläutern machen sie mich schlauer ^^

    Nee keine Lust. Außerdem ist gegen Dummheit noch kein Kraut gewachsen. Such Dir die entsprechende Literatur und lerne den den Dingen auf den Grund zu gehen.

  14. Es ist doch vollkommener Unsinn anzunehmen man koenne rechtlich nichts machen gegen Stuttgart-21, nur weil der Paul Kirchhoff das im Fernseher gesagt hat. Wo ein Wille ist ist auch ein Weg. Unter der ueberschrift „Gutachten gegen Gutachten“ stand gestern in der Stuttgarter Zeitung ein sehr interessanter Artikel. Der Rechtsprofessor Georg Hermes sieht die Rechtslage demnach ganz anders als Herr Paul Kirchhoff. Zitat Georg Hermes: „Es sei klar, dass das Eisenbahnrecht beim Bund liege, das Land trage aber erhebliche Kosten, damit sei es mit zustaendig.“ Professor Georg Hermes laesst auch nicht gelten, dass Vertraege ewig unkuendbar sein sollen. „Das verstoeßt gegen das Demokratieprinzip.“ Neue Parlamente haetten dann keine Moeglichkeiten, aus langfristigen Vertraegen herauszukommen, argumentierte Hermes. Auch den Einwand, gegen den Haushalt sei keine Volksabstimmung moeglich, laesst Hermes nicht gelten. „Dann waere eine Abstimmung ueber jedes Gesetz, das Geld kostet, ausgeschlossen.

  15. Nicolaus

    Schalom!

    Ich bin in dem Blog „Es geht aufwärts“ mit dem Hao zusammen getroffen. Unser Dialog gestaltete sich nicht so freundschaftlich. Irgend wo war von einer „roten Gräfin“ die Rede. Haben Sie auch dort geschrieben. Ich weiß nicht, warum der Hoa so unfreundlich ist! Mir hat er eine RoteKarte gegeben. Passt ja! 🙂

    Gruß,Nicolaus.

    Ich habe keine Ahnung warum Hao unfreundlich ist. Ich habe dazu allerdings eine Phantasie

  16. Nicolaus

    Entschuldigen Sie bitte die Tippfehler!

    ‚Haben Sie auch dort geschrieben?‘

    ‚…, warum der Hao so unfreundlich ist!‘

    Ich kann mich mich nicht entsinnen so etwas getan zu haben. Allerdings habe ich ungeheure Schwierigkeiten von Christen ein glattes Nein zu akzeptieren, wenn ich eine offene und erfüllbare Bitte gestellt habe. Dann bohre ich solange herum, bis ich alle Gründe kenne und führe sie ad absurdum. Das gibt böses Blut vor allen Dingen bei Christen, die meistens daran glauben dass Jesus wegen unserer Sünden am Kreuz gestorben ist.

  17. Nicolaus

    Moment. Was wollen Sie jetzt genau sagen? Ich las die Erwähnung einer „roten Gräfin“ bei Hao. Meinen Sie, Sie hätten dort nicht geschrieben?

    Wozu ist die Beantwortung dieser Frage wichtig? Wird sie in irgendeiner Weise ihr Leben bereichern und glücklicher machen?

  18. Nicolaus

    Nein.
    Eben und wozu dann solche inquisitorischen Fragen? Haben sie keine anderen Probleme zu lösen?

  19. Philipp

    Hallo Rote Gräfin.
    die Seite ist ja hoch interessant.
    Das freut mich danke!

    Schöne dass Du alle Probleme der Welt kennst und für alles ein Lösung hast.
    Nimmst Du das so wahr? Ich meine es gibt noch viel zu viele ungelöste Probleme. So vermisse allerdings auch Deine konstruktive Mitarbeit an den Lösungen für diese Welt
    Kannst Du Dir vorstellen Bundeskanzlerin zu werden?
    Nein! Warum? Bist Du mit der derzeitigen unzufrieden?

  20. Philipp

    Warum nennst Du Dich eigentlich nicht mehr Trixi?
    Gruß
    Philip
    Keine Ahnung,warum,denn so habe ich mich nie genannt.
    Wozu willst Du das wissen? Macht Dich diesen Wissen darum glücklicher und zufriedener?
    Ich kannte mal eine Hündin und Promenadenmischung, die wurde so genannt.

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